Es gibt Neuigkeiten aus der Region, die für Thailand und Vietnam von großer Bedeutung sind. Bei einem Staatsbankett in Hanoi hat Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul ein ganz besonderes Stück Kultur präsentiert – er spielte auf einem traditionellen vietnamesischen T’rung-Xylophon. Das klingt nicht nur nach einer netten Geste, sondern war der Auftakt zu zwei Tagen intensiver Gespräche über die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Ziel ist es, den bilateralen Handel innerhalb von vier Jahren auf 25 Milliarden US-Dollar zu steigern und ihn danach erneut zu verdoppeln. Das ist ein ambitioniertes Vorhaben, das in Anbetracht der aktuellen globalen Herausforderungen wie US-Zöllen und steigenden Rohstoffpreisen nicht unwesentlich ist. Beide Länder wollen ihre Partnerschaft stärken und enger zusammenarbeiten, insbesondere in den Bereichen Elektronik und Halbleiter. Auch der Abbau von Handelsbarrieren steht auf der Agenda. Diese Entwicklungen sind besonders spannend, denn sie folgen nur zwei Wochen nach dem Besuch des vietnamesischen Präsidenten To Lam in Bangkok, was eine seltene Abfolge von Treffen zwischen den Führern der zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften Südostasiens markiert. Die Ökonomin Pavida Pananond hat darauf hingewiesen, dass sich Thailand und Vietnam gemeinsam externen Herausforderungen stellen müssen, wie der Fragmentierung der Handelsordnung und dem zunehmenden Wettbewerb zwischen den USA und China (Quelle).

Handelsabkommen und geopolitische Spannungen

Die Situation wird noch komplexer, wenn wir die Rolle der USA in der Region betrachten. Die Vereinigten Staaten haben ihre Handelsbeziehungen in Südostasien gestärkt und stehen möglicherweise kurz vor einem formellen Abkommen mit China. Am Sonntag wurden Handelsabkommen mit Malaysia und Kambodscha angekündigt, während Thailand und Vietnam Rahmenvereinbarungen sichern konnten. Diese Abkommen bestätigen die bereits angekündigten Zolltarife auf Importe in die USA aus diesen Ländern und erweitern den Marktzugang für US-Exporte. Es gibt bestimmte Waren, die gemäß einer Exekutivverordnung von Trump für einen 0%-Zollsatz qualifiziert sind. Für Vietnam bedeutet das konkret, dass den US-Exporteuren ein besserer Zugang zum Markt gewährt wird, während ein 20%-Zollsatz für Importe aus Vietnam beibehalten wird. Thailand hingegen wird Zölle auf 99% der Waren, einschließlich US-industrieller und landwirtschaftlicher Produkte, abbauen, während ein 19%-Zollsatz für Importe aus Thailand bestehen bleibt (Quelle).

Das klingt alles nach einer heiklen Balance und zeigt, wie sehr die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China die Handelsbeziehungen in der Region beeinflussen. In der Vergangenheit wurden die ASEAN-Staaten durch hohe Zollsätze getroffen, was sie als Verlierer im globalen Handelswettbewerb erscheinen ließ. Die US-Zusatzzölle auf Einfuhren aus ASEAN-Ländern blieben lange Zeit hoch, aber im August 2025 gab es eine Einigung über niedrigere Zusatzzölle, was für Erleichterung in der Region sorgte. Diese Entwicklungen könnten auch für deutsche Unternehmen von Bedeutung sein, da die EU bisher nur mit Singapur und Vietnam Freihandelsabkommen abgeschlossen hat. Eine Verschiebung der außenpolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen in Richtung China wird von Beobachtern ebenfalls wahrgenommen, und deutsche Produkte haben durch die Zölle einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Herstellern aus anderen Ländern. Die ASEAN-Staaten streben jedoch an, ihren Handel innerhalb der Region zu erweitern und die wirtschaftliche Anbindung an Europa zu intensivieren, was möglicherweise neue Chancen eröffnet (Quelle).