Trauer um Prinzessin Bajrakitiyabha: Fragen zur Thronfolge in Thailand
Gestern war ein bewegender Tag in Bangkok. Die Trauer um Prinzessin Bajrakitiyabha Mahidol, die am Donnerstag im Alter von 47 Jahren an einer Bauchinfektion gestorben ist, hat die Stadt in einen Zustand der Betroffenheit versetzt. Tausende von Menschen, viele in schwarzer Kleidung, säumten die Straßen entlang der 10 Kilometer langen Prozessionsroute vom Chulalongkorn Krankenhaus bis zum königlichen Palast. Es war schwül-heiß, und die älteren Herrschaften, die oft an den Straßenrand gesessen hatten, mussten sich durch die drückende Hitze kämpfen, um der Trauer um die Prinzessin Ausdruck zu verleihen. Gegen 17:00 Uhr Ortszeit traf der königliche Leichnam feierlich im Grand Palace ein, begleitet von einem Konvoi, der von König Maha Vajiralongkorn und Königin Suthida angeführt wurde. Der Verkehr in Teilen des kommerziellen Zentrums kam zum Stillstand, während die Polizei die Straßen sperrte. Quelle
Die Prinzessin, auch bekannt als Prinzessin Bha, war während ihrer Zeit als aktive Royal eine zentrale Figur im öffentlichen Leben Thailands. Sie hatte eine bemerkenswerte Karriere, unter anderem als Armee-Generalleutnant, und war in verschiedenen diplomatischen Rollen, einschließlich ihrer Arbeit bei den Vereinten Nationen, tätig. Ihre lange Krankheit, die sie mehr als drei Jahre im Koma hielt, war eine schwere Last für die Familie und das Volk, das sie verehrte. Tragischerweise ist dies bereits der zweite Trauerfall für die königliche Familie in kurzer Zeit, nachdem Königin Sirikit im Oktober letzten Jahres verstorben ist.
Fragen zur Thronfolge
Der Tod von Bajrakitiyabha wirft nun bedeutende Fragen zur Thronfolge in Thailand auf. König Maha Vajiralongkorn hat seit seinem Aufstieg vor fast einem Jahrzehnt keinen Thronfolger benannt. Bajrakitiyabha galt als mögliche Erbin und hätte sogar die erste Königin regnant des Landes werden können, da eine 1974 vorgenommene Verfassungsänderung vorsieht, dass eine Prinzessin ernannt werden kann, wenn es keinen benannten Erben gibt. Aktuell ist die Thronfolge jedoch unklar, und die strengen Lèse-Majesté-Gesetze, die Kritik an der Monarchie unter Strafe stellen, machen eine offene Diskussion schwierig. Diese Gesetze sehen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren für Verstöße vor – eine ernste Angelegenheit, die die Debatte über die Monarchie stark einschränkt. Quelle
In der Familie des Königs gibt es noch sechs weitere Kinder, aber nur zwei von ihnen, ein Prinz und eine Prinzessin, haben königliche Titel. Der Rest lebt im Exil und hat ihre Titel verloren. Es gibt einige potenzielle Nachfolger: Der jüngste Sohn, Prinz Dipangkorn Rasmijoti, gilt als Erbe und engagiert sich in religiösen Diskussionen. Princess Sirivannavari Nariratana, die einzige Tochter mit königlichem Titel, hat eine Karriere in Sport und Modedesign. Aber die vier älteren Söhne des Königs, die nach der Scheidung ihrer Eltern ins Ausland geschickt wurden, sind aufgrund des 1924 erlassenen Gesetzes von der Thronfolge ausgeschlossen.
Die Monarchie und die Gesellschaft
Die thailändische Monarchie hat eine lange und komplexe Geschichte, die stark von den Lèse-Majesté-Gesetzen geprägt ist. Diese Gesetze, die bereits in der Drei-Siegel-Gesetzessammlung von 1804 ihren Ursprung haben, haben sich im Laufe der Zeit verschärft. Heute schützt Artikel 112 des thailändischen Strafgesetzbuchs den König und die königliche Familie vor jeglicher Kritik. Es ist ein gefährliches Terrain für Journalisten und Aktivisten, die sich trauen, die Monarchie zu kritisieren – die Anzahl der Verurteilungen wegen Majestätsbeleidigung stieg in der Vergangenheit dramatisch. Auch ausländische Journalisten sind nicht sicher und müssen sich vor den Konsequenzen ihrer Berichterstattung hüten. Quelle
In diesen schweren Zeiten ist die Trauer um die Prinzessin ein eindrückliches Zeugnis der Loyalität und des Respekts, den die thailändische Bevölkerung der Monarchie entgegenbringt. Die Unsicherheit über die Zukunft der Thronfolge bleibt jedoch ein drängendes Thema, das die Nation in den kommenden Monaten beschäftigen wird. Wir können nur hoffen, dass die nächste Generation der Monarchie in der Lage sein wird, mit den Herausforderungen einer sich schnell verändernden Welt umzugehen.
