Herausforderungen und Chancen für Frauen in der thailändischen Bauindustrie
Heute ist der 8.07.2026, und während Chiang Mai in der Sonne glüht, erreichen uns Nachrichten aus dem benachbarten Myanmar, die uns zum Nachdenken anregen. Die Bauindustrie in Thailand, ein Sektor, der zahlreiche Migranten anzieht, sieht sich immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert. Ein besonders tragisches Ereignis war der Zusammenbruch des Sky Villa Condominiums in Mandalay während eines verheerenden Erdbebens im März 2025. Naing Tun Lin, der Besitzer der NTL Construction, wurde kürzlich zu fünf Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt wegen Totschlags, nachdem über 200 Menschen bei diesem Unglück ums Leben kamen. Der gesamte Erdbeben-Katastrophenfall forderte schätzungsweise Tausende von Opfern. Das zeigt uns, wie fragil die Situation in der Region ist.
Doch nicht nur in Myanmar, auch in Thailand selbst gab es tragische Folgen. Das Erdbeben führte zum Einsturz eines 30-stöckigen Hochhauses in Bangkok, wobei etwa 95 Menschen starben, darunter mindestens zehn Migranten aus Myanmar und einer aus Kambodscha. Bei den Ermittlungen wurden gravierende Mängel in den Baumaterialien und im Design festgestellt. Substandard-Stahl war nur eines der Probleme, und zudem gibt es noch eine parallele Untersuchung zu möglichen Absprachen bei der Vergabe von Aufträgen, die öffentliche Beamte betreffen.
Die Lage der Frauen in der Bauindustrie
Die Baan Dek Foundation hat in Zusammenarbeit mit der Mahidol University einen Bericht über die Bedingungen weiblicher Migrantenarbeiter veröffentlicht. Die Zahlen sind alarmierend: Rund 700.000 Migranten sind im Bauwesen Thailands beschäftigt, was fast 8% der thailändischen Wirtschaft ausmacht. Frauen machen dabei etwa 36% der Belegschaft aus, doch sie sind in den Schutzrichtlinien und Unternehmensstrategien kaum sichtbar. Viele von ihnen nehmen geringere Löhne in Kauf; ein Beispiel: Männer verdienen im Durchschnitt 380 Baht pro Tag, während Frauen nur 350 Baht erhalten. Komischerweise akzeptieren viele Frauen diese Lohnunterschiede als normal, weil sie glauben, die Aufgaben der Männer seien schwieriger.
Diese Frauen stehen nicht nur vor finanziellen Herausforderungen. Nach der Arbeit sind sie oft für die Hausarbeit verantwortlich, was zusätzlichen emotionalen und finanziellen Druck erzeugt. Arbeitgeber verweigern häufig die Bereitstellung von Arbeitsgenehmigungen, die bis zu 17.500 Baht kosten können. Das führt zu einer Art Jobfalle und macht sie anfällig für häusliche Gewalt. In Chiang Mai gibt es jedoch Solidaritätsnetzwerke, die zumindest einen gewissen Schutz bieten. Hier erhalten Frauen in den Camps Schulungen zur Konfliktmediation und Unterstützung.
Lebens- und Arbeitsbedingungen
Die Lebensbedingungen in den Arbeitercamps sind oft alles andere als ideal. Mangelnde sanitäre Einrichtungen und fehlende Privatsphäre sind an der Tagesordnung. Viele Frauen entscheiden sich sogar gegen eine Gesundheitsversicherung, da die Kosten im Verhältnis zu ihren Löhnen zu hoch sind. Sie ziehen es vor, ihre medizinischen Bedürfnisse direkt zu bezahlen, was ihre ohnehin angespannte finanzielle Situation noch verschärft. Ein weiteres Licht auf die prekäre Lage werfen die Berichte über Diskriminierung und ungerechte Behandlung, die viele Frauen erfahren.
Doch es gibt auch Hoffnung. Das ILO PROTECT Projekt, unterstützt von der EU und in Zusammenarbeit mit der World Vision Foundation of Thailand, setzt sich für faire Rekrutierung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Migrantenarbeiter in der thailändischen Bauindustrie ein. Mit etwa 600.000 Migrantenarbeitern im Bauwesen in 2022, wovon ein Drittel Frauen sind, ist das Engagement von solcher Bedeutung. Das Projekt schult sogar Migrantenarbeiter als Volunteers, um das Bewusstsein für Arbeitsrechte und Schutzdienste zu schärfen.
Diese Volunteers führen Schulungen in Bangkok und Umgebung durch, um Themen wie Gesundheitsversorgung, geschlechtsspezifische Gewalt und Informations- sowie Überweisungsdienste zu behandeln. Sophia Kagan, die Chief Technical Advisor des PROTECT Projekts, hebt die Rolle dieser Volunteers als wichtige Informations- und Überweisungspunkte für ihre Gemeinschaften hervor. Solche Initiativen könnten langfristig dazu beitragen, die Rechte und das Wohlbefinden dieser oft übersehenen Arbeiterinnen zu stärken.
