Heute ist der 13.05.2026, und während ich hier in Bangkok sitze, denke ich an die turbulentesten Zeiten in Nicaragua. Ein Land, das einst von Hoffnung und Revolution geprägt war, steckt nun in einem tiefen politischen Strudel. Monica Baltodano, eine ehemalige Kommandantin der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN), äußerte sich kürzlich in einem Interview aus dem Exil in Costa Rica. Sie glaubt, dass die Tage von Rosario Murillo, der Frau und Co-Leiterin von Präsident Daniel Ortega, gezählt sind. Diese Vorhersage ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Ortega, der im kommenden Jahr 81 wird, seit 2007 an der Macht ist, und das unter internationaler Kritik.
Die USA haben die nicaraguanische Regierung offen als Diktatur bezeichnet. Ortega und Murillo, die als „vollständig durch Machtgier korrupt“ beschrieben werden, haben die Verfassung geändert, um ihre Kontrolle zu festigen und die Opposition zu unterdrücken. Baltodano, die 2021 Nicaragua verlassen musste und 2023 ihrer Staatsbürgerschaft beraubt wurde, vergleicht die gegenwärtige Situation in Nicaragua mit Nordkorea. Sie erzählt von einem Land, das von „konstantem Misstrauen“ geprägt ist, und das unter brutalen Verfolgungen leidet, insbesondere gegen die katholische Kirche.
Der Weg zur Co-Präsidentschaft
Die politischen Umwälzungen in Nicaragua gehen jedoch weiter. Im Januar 2025 verabschiedete die Nationalversammlung eine Verfassungsreform, die Ortega und Murillo zu Co-Präsidenten machte. Diese Reform verlängerte die Amtszeit von fünf auf sechs Jahre und gewährte dem Exekutivzweig die Kontrolle über die Judikative, Legislative und Medien. Damit hat Ortega nicht nur seine Macht gefestigt, sondern auch ein System etabliert, das fast wie ein Familienbetrieb wirkt. Die internationale Gemeinschaft, einschließlich der USA und der EU, hat diese Entwicklungen scharf verurteilt, was zu noch mehr Sanktionen und diplomatischer Isolation führte.
Und das ist nicht alles. Die Manipulation der Wahlen, bei denen Oppositionelle entweder eingesperrt oder ins Exil gezwungen werden, ist zur Norm geworden. Die unabhängige Presse, die einst eine Stimme für das Volk war, wurde nahezu ausgelöscht. Stattdessen hat die Regierung die Kontrolle über die Medien übernommen und verbreitet ihre eigene Propaganda. Dies führt zu einer schleichenden Erosion der Meinungsfreiheit und der Menschenrechte.
Die Dunkelheit der Repression
Die Lebensbedingungen für viele Nicaraguaner sind katastrophal. Die wirtschaftliche Instabilität nimmt zu, und die Armut wächst. Viele Menschen, insbesondere Fachkräfte und Oppositionelle, sehen sich gezwungen, das Land zu verlassen. Berichten zufolge ist diese Migrationswelle nicht nur eine Flucht vor der Repression, sondern auch eine Suche nach einem besseren Leben. In einem solchen Klima, in dem das Misstrauen herrscht, ist es für viele ein Akt des Mutes, für demokratische Reformen zu kämpfen – oft aus dem Exil heraus.
Die Geschichte Nicaraguas ist geprägt von Konflikten, die bis in die 1980er Jahre zurückreichen, als die Sandinisten unter Ortega die Macht übernahmen. Der Sturz des Diktators Anastasio Somoza war ein Triumph, aber die nachfolgenden Bürgerkriege und die Unterstützung der Contras durch die USA führten zu einer tiefen Spaltung im Land. Ortega, der 2007 an die Macht zurückkehrte, hat seitdem schrittweise eine Autokratie etabliert, die alle politischen Institutionen kontrolliert. Inzwischen gibt es keine gedruckten Zeitungen mehr, und über 5.600 NGOs wurden geschlossen. Das ist ein gewaltiger Rückschritt für ein Land, das einmal auf dem Weg zur Demokratie war.
Die Stimmen aus dem Exil, die für die Rückkehr zur Demokratie plädieren, sind laut. Baltodano selbst beschreibt ihr Exil als „doppelt schmerzhaft“. Sie ist überzeugt, dass sie eines Tages in ihr Heimatland zurückkehren wird und die Hoffnung auf Veränderung nicht aufgeben kann. Aber wird es noch rechtzeitig sein? Die Zukunft Nicaraguas bleibt ungewiss, und während die internationale Gemeinschaft zusieht, scheinen die Möglichkeiten für einen demokratischen Wandel zu schwinden.