In den letzten Monaten hat sich auf Koh Pha Ngan, dieser malerischen thailändischen Insel, einiges getan. Zehn Israelis wurden kürzlich aufgrund von Verdacht auf illegale Geschäfte deportiert. Die thailändische Polizei führt eine umfassende Untersuchung gegen ausländische Kriminalnetzwerke durch, die als nationale Sicherheitsbedrohung wahrgenommen werden. Diese Maßnahmen kommen nicht überraschend, denn Koh Pha Ngan hat sich zu einem beliebten Ziel für Israelis entwickelt, mit ungefähr 2.500 israelischen Expats und jährlich Tausenden von Touristen. Die Situation ist angespannt – auch, weil die Behörden 32 Unternehmen identifiziert haben, die in ein Nominee-Unternehmensschema verwickelt sind. Hierbei handelt es sich um Firmen, die von Israelis besessen, aber von Thailändern betrieben werden, um die wahre Eigentümerschaft zu verschleiern.
Besonders auffällig ist die Entdeckung eines unlizenzierter Hotelbetriebs, der thailändische Nominees einsetzte. Ein weiteres Unternehmen verstieß gegen thailändische Geschäftsvorschriften, indem es ausländischen Aktionären größere Anteile als thailändischen Partnern erlaubte. Schätzungen zufolge beläuft sich der durch diese Machenschaften verursachte Schaden auf über 200 Millionen Baht – das sind rund 6,1 Millionen USD. Die thailändischen Behörden scheinen entschlossen zu sein, diesen Trend zu stoppen, was den Druck auf die israelische Gemeinschaft in Thailand erhöht.
Wachsende Spannungen und Sicherheitsbedenken
Die Diskussion um die wachsende Präsenz der israelischen Gemeinschaft auf Koh Pha Ngan ist nicht neu, aber sie hat sich intensiviert. Ein Abgeordneter der Economic Party forderte eine Untersuchung der israelischen Präsenz, da Sicherheitsrisiken, illegale Geschäfte und ausländischer Einfluss als besorgniserregend erachtet werden. Aktuell leben geschätzte 4.000 Israelis langfristig auf Koh Pha Ngan, während zusätzlich etwa 3.000 israelische Touristen die Insel besuchen. Das führt zu einem Gefühl der Überfremdung bei den Einheimischen, die sich zunehmend wie Gäste im eigenen Land fühlen.
Die israelische Botschaft hat ihre Staatsangehörigen in Thailand bereits gewarnt: Mögliche Festnahmen, Abschiebungen und die strikte Durchsetzung lokaler Gesetze stehen im Raum. Es gibt Berichte über Fehlverhalten von israelischen Besuchern, die von Lärmbelästigung bis hin zu Drogenkonsum reichen. In einem besonders besorgniserregenden Vorfall wurden im Januar diesen Jahres vier Israelis wegen Drogenbesitzes festgenommen. Auch der Fall von Shay Alfasi, der im Februar aufgrund von Drogenhandel festgenommen wurde, hat die Situation nicht gerade entspannt.
Die Reaktion der thailändischen Behörden
Um dem Ganzen Herr zu werden, hat der Polizeichef am 10. Oktober landesweit ein Vorgehen gegen illegale ausländische Geschäftsaktivitäten angeordnet. Die Behörden sind aktiv dabei, die Eigentumsverhältnisse und Firmenregistrierungen zu überprüfen. Diese Maßnahmen sind als Reaktion auf die wachsende Wut unter den Einheimischen zu verstehen. Schlagworte wie „Zweites Tel Aviv“ und „Rettet Koh Pha Ngan“ kursieren in den sozialen Medien und spiegeln die Sorgen der Bevölkerung wider. Zudem gibt es eine Online-Bewegung, die Tausende von Unterstützern gewonnen hat und sich für strengere Regeln für ausländische Betreiber einsetzt.
Die thailändischen Behörden haben auch die Regeln für Visa bei Ankunft verschärft und die visafreie Aufenthaltsregelung mit 93 Ländern, einschließlich Israel, auf den Prüfstand gestellt. Diese Entwicklungen sind nicht zuletzt durch die Eskalation des israelisch-palästinensischen Konflikts seit Oktober 2023 motiviert. Bangkok beobachtet die Lage genau und es ist zu erwarten, dass ähnliche Kontrollen auch in anderen Tourismusregionen verschärft werden.
Die Situation ist angespannt und die kulturellen sowie wirtschaftlichen Aspekte stehen auf dem Spiel. Koh Pha Ngan könnte an einem kritischen Scheideweg stehen: zwischen dem Bedürfnis nach Tourismus und dem Gefühl der Einheimischen, dass ihre Heimat überrollt wird.