Die thailändische Monarchie steht vor einer ihrer größten Herausforderungen seit vielen Jahren. Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, wurde der Tod von Prinzessin Bajrakitiyabha Mahidol bekannt gegeben, der ältesten Tochter von König Maha Vajiralongkorn. Sie starb im Alter von 47 Jahren in einem Krankenhaus in Bangkok, nachdem sie mehr als drei Jahre im Koma gelegen hatte und seit Dezember 2022 auf lebenserhaltende Maßnahmen angewiesen war. Ihre gesundheitlichen Probleme begannen mit einem dramatischen Vorfall, als sie in einem Park im Norden Thailands zusammenbrach, während sie mit ihren Hunden joggte. Im Mai hatte der Palast bekannt gegeben, dass eine Bauchinfektion zu niedrigem Blutdruck und einem unregelmäßigen Herzschlag geführt hatte. Ihr Tod wirft nun Fragen zur Thronfolge auf, die in der thailändischen Monarchie ohnehin schon kompliziert war. König Maha Vajiralongkorn, der 73 Jahre alt ist, hat bisher keinen offiziellen Nachfolger benannt, was die Situation weiter verkompliziert.
Einige Analysten hatten Prinzessin Bajrakitiyabha als potenzielle Kandidatin für die erste regierende Königin Thailands gesehen, nicht zuletzt aufgrund ihrer direkten Abstammung vom Königshaus. Sie war das einzige Kind von König Maha Vajiralongkorn und seiner ersten Frau, Prinzessin Soamsawali, die ebenfalls seine Cousine ist. Die Thronfolge in Thailand ist jedoch nicht automatisch; der Monarch hat die Möglichkeit, seinen eigenen Erben zu benennen. Im Falle, dass kein Nachfolger bestimmt wird, kann der Kronrat eine Prinzessin auf den Thron setzen, wie es die thailändische Verfassung vorsieht.
Die Herausforderungen der thailändischen Monarchie
Die Situation wird zusätzlich durch die vergangenen Ereignisse in der königlichen Familie belastet. Königin Sirikit, die Witwe des ehemaligen Königs Bhumibol Adulyadej, verstarb am 24. Oktober 2025 im Chulalongkorn Memorial Hospital in Bangkok. Sie litt an den Folgen einer Blutvergiftung und war seit 2019 in stationärer Behandlung. Sirikit war die am längsten amtierende Königsgemahlin der Welt und hatte mit König Bhumibol vier Kinder. Nach ihrem Tod ordnete König Vajiralongkorn eine einjährige Staatstrauer an, was die öffentliche Trauer und den Respekt vor der königlichen Familie verdeutlicht. Während dieser Zeit sind Regierungsbeamte und Staatsangestellte verpflichtet, Trauerkleidung zu tragen, und die Bevölkerung wird gebeten, 90 Tage lang dunkle Farben zu tragen.
Die Unsicherheit über die Thronfolge wird durch die Tatsache verstärkt, dass Prinz Dipangkorn Rasmijoti, der offiziell an erster Stelle der Thronfolge steht, mit Autismus lebt und derzeit eine Waldorfschule in Deutschland besucht. Zudem hat König Vajiralongkorn aus früheren Ehen vier Söhne, die im Exil leben, was die Erbfolgen weiter kompliziert. Die politische Lage in Thailand ist angespannt, und die Rolle der Monarchie wird zunehmend hinterfragt. Gelegentlich gibt es auch Demonstrationen, die eine Reform der Verfassung von 2017 fordern und den Rücktritt von Premierminister Prayut Chan-o-cha verlangen.
Ein Blick auf die politische Landschaft
Thailand ist seit 1932 eine konstitutionelle Monarchie, und die letzte Verfassung stammt von 2007. Die Staatsgewalt wird vom Volk ausgeübt, wobei der König durch Legislative, Exekutive und Judikative Einfluss nimmt. Nach dem Militärputsch im Mai 2014 wurde die Verfassung teilweise außer Kraft gesetzt, was zu einer starken Einschränkung der politischen Rechte und Bürgerfreiheiten führte. Versammlungen über fünf Personen sind verboten, und es gibt strenge Zensuren für Medien und Internet.
Die Rolle des Königs bleibt von der Aufhebung der Verfassung ausgenommen, was bedeutet, dass er weiterhin eine zentrale Figur im politischen System Thailands ist. Der Einfluss von König Bhumibol, der von 1946 bis zu seinem Tod im Jahr 2016 regierte, war zwar begrenzt, doch genoss er hohe Anerkennung in der Bevölkerung. König Maha Vajiralongkorn, sein Nachfolger, lebt weitgehend im Ausland und ist in Thailand umstritten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die Monarchie in der Lage ist, die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern.