Am 6. Juni 2026 erreichte die Nachricht vom Tod des 95-jährigen Masao Seto die Öffentlichkeit. Der Fotojournalist starb in einem Krankenhaus in Bangkok an einer Lungeninfektion. Seine Familie gab diesen traurigen Umstand bekannt und damit wurde ein Kapitel der thailändisch-japanischen Geschichte geschlossen. Masao Seto wurde 1931 auf der Insel Phuket geboren, als Sohn eines japanischen Arztes und einer thailändischen Frau. Seine Lebensgeschichte ist nicht nur eine persönliche, sondern spiegelt auch die komplexen Beziehungen zwischen Japan und Thailand wider.
Seto erlebte turbulente Zeiten. Während des Zweiten Weltkriegs war er in Bangkok und wurde in einem Internierungslager für Japaner festgehalten. Nach dem Krieg entschied er sich, in Thailand zu bleiben, wo er 1963 die thailändische Staatsbürgerschaft erwarb. Er hatte nie eine Geburtsurkunde oder eine Registrierung im japanischen Familienregister und wurde deshalb nicht als japanischer Staatsbürger anerkannt. Dies führte zu einer einzigartigen Identität, die Seto sowohl in Thailand als auch in Japan prägte.
Ein Leben für die Fotografie
Masao Seto war ein autodidaktischer Fotograf, der 1964 seine Karriere als freiberuflicher Fotograf begann. Ab 1967 arbeitete er für das Bangkok-Büro der Asahi Shimbun, jetzt bekannt als Asian General Bureau. Seine Fotos dokumentierten die Realität in Südostasien und ließen die Ereignisse des Vietnamkriegs, die Gräueltaten der Roten Khmer in Kambodscha und verschiedene Staatsstreiche in Thailand lebendig werden. Seto war nicht nur ein Zeuge der Geschichte, sondern auch ein Mentor für viele junge Thailänder und nahm aktiv an Schwimm- und Japanischkursen teil.
Seine enge Verbindung zur japanischen Gemeinschaft in Thailand machte ihn zu einer wichtigen Brücke zwischen beiden Kulturen. Eine Trauerfeier für Seto findet vom 7. bis 9. Juni im Wat Dan in Südbangkok statt, wo Freunde und Weggefährten ihm die letzte Ehre erweisen können. Man kann sich nur vorstellen, wie viele Erinnerungen und Geschichten sich in diesen drei Tagen entfalten werden.
Ein weiterer Blick auf japanisch-thailändische Beziehungen
Die Geschichte von Seto ist auch eng mit den Beziehungen zwischen Japan und Thailand verknüpft. Diese diplomatischen Verbindungen bestehen nun schon seit 1887 und wurden 2007 offiziell in eine „strategische Partnerschaft“ überführt. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Beziehungen jedoch aufgrund verschiedener globaler und regionaler Entwicklungen verändert. Japanische Investitionen in Thailand stiegen in den 1980er Jahren stark an, was zur Transformation Thailands in ein Mitteleinkommensland im Jahr 2011 beitrug. Der aktuelle japanische Premierminister Fumio Kishida bezeichnete Thailand als einen unverzichtbaren ökonomischen Partner Japans.
Dennoch gab es Herausforderungen, etwa durch die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der thailändischen Wirtschaft und die demokratische Regression seit dem Militärputsch von 2014. In diesem komplexen politischen Umfeld ist es wichtig, die kulturellen und gesellschaftlichen Verbindungen zwischen den beiden Ländern zu betrachten. Ein interdisziplinäres Projekt untersucht den politischen, ökonomischen und kulturellen Einfluss Japans in Thailand, darunter auch die historischen Entwicklungen und gegenwärtigen Herausforderungen.
Die Erinnerungen an Masao Seto werden nicht nur durch seine Fotografien weiterleben, sondern auch durch die Geschichten und Verbindungen, die er über die Jahre hinweg geschaffen hat. Ein Leben, verwoben mit der Geschichte von zwei Ländern, die trotz ihrer Unterschiede viele Gemeinsamkeiten teilen.