Die thailändische Shrimp-Industrie steht vor einer ernsten Krise. Letzte Woche hat Malaysia überraschend die Importe von fünf wichtigen Garnelenarten aus Thailand ausgesetzt. Diese Entscheidung, die am Montag in Kraft trat, betrifft unter anderem die beliebten Schwarz- und Weißgarnelen sowie die weniger bekannten Bananen- und Braungarnelen. Die verschärften Anforderungen für den Import von Seebarsch aus Thailand sind ebenfalls ein klarer Hinweis darauf, dass Malaysia die Lebensmittelkontrollen strenger handhaben möchte. Ekapoj Yodpinit, der Präsident der thailändischen Shrimp-Vereinigung, hat die Situation als den tiefsten Punkt der Branche bezeichnet und fordert die thailändische Regierung auf, umgehend Gespräche mit den malaysischen Behörden zu führen (Quelle).
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Thailand exportiert jährlich zwischen 6.000 und 8.000 Tonnen Garnelen nach Malaysia, was die Nachbarnation zu einem der wichtigsten Märkte für thailändische Produzenten macht. Diese plötzliche Einfuhrpause hat viele thailändische Garnelenzüchter alarmiert, und es gibt bereits Forderungen nach staatlicher Unterstützung. Der Verband thailändischer Garnelenzüchter hat sich direkt an Premierminister Anutin Charnvirakul gewandt, um Hilfe zu bitten. Die kurze Vorlaufzeit zwischen Ankündigung und Inkrafttreten des Verbots könnte ernsthafte Auswirkungen auf die Einnahmen und das Vertrauen der Exporteure haben. Es wird bereits vor einer möglichen Überversorgung auf dem Inlandsmarkt gewarnt, was die Züchter dazu zwingen könnte, ihre Waren anderweitig zu verkaufen oder sogar lokal zu verkaufen (Quelle).
Auswirkungen auf die Branche
Der Rückgang der Garnelenexporte ist nicht neu. In den letzten 15 Jahren hat die thailändische Industrie ihre Stellung als größter Garnelenexporteur der Welt verloren und leidet unter sinkenden Einnahmen. Die Produktionskosten sind im Vergleich zu anderen Ländern wie Ecuador oder Indien gestiegen, was die Wettbewerbsfähigkeit weiter beeinträchtigt. Thailand hatte in der Vergangenheit bereits bedeutende Exportmärkte wie die USA, die EU, China und Japan verloren, was die Lage der Garnelenzüchter zusätzlich verschärft. Die zunehmenden Logistikkosten durch höhere Ölpreise und die anhaltenden Versandverzögerungen machen die Situation nicht einfacher. Komischerweise ist der Inlandsverbrauch von Garnelen jedoch gestiegen – von 78.650 Tonnen im Jahr 2016 auf schätzungsweise 136.000 Tonnen im Jahr 2024 (Quelle).
Die thailändische Garnelenindustrie muss sich also umstrukturieren. Um den Herausforderungen der globalen Märkte zu begegnen, ist eine Anpassung an neue Preisnormalitäten unerlässlich. Die Prognosen deuten darauf hin, dass die Farmgate-Preise für thailändische Garnelen im Jahr 2025 steigen könnten, was zumindest einen Lichtblick bietet. Doch das wird nicht ausreichen, um die Branche zu beleben, wenn nicht gleichzeitig innovative Ansätze und nachhaltige Anbaumethoden gefördert werden. Die Bildung von Landwirte-Kooperativen könnte die Verhandlungsmacht der Züchter stärken und den Export diversifizieren, um neue Nischenmärkte zu erschließen. Die Verbraucher verlangen zunehmend nach Qualität und Nachhaltigkeit, und hier könnte Thailand möglicherweise punkten, wenn man sich strategisch darauf vorbereitet.
Die Herausforderungen sind groß, aber die Möglichkeiten zur Transformation und Stärkung des Ökosystems sind ebenso vorhanden. Die thailändische Garnelenindustrie hat das Potenzial, sich neu zu definieren und die eigenen Stärken zu nutzen, um auch in Zukunft eine wichtige Rolle auf dem globalen Markt zu spielen.