Heute ist der 7.06.2026 und ich sitze hier in Koh Samui, umgeben von der tropischen Hitze und dem sanften Rauschen des Meeres. Ein perfekter Ort, um über ein Thema nachzudenken, das viele Reisende beschäftigt: den Alkoholgenuss vor einem Flug. Immer wieder hört man von britischen Passagieren, die sich vor dem Boarding ein Gläschen gönnen. Laut einem Artikel im Wall Street Journal ist dieses Verhalten nicht unumstritten. Leserkommentare kritisieren die Vorliebe für Alkohol am Flughafen und es gibt sogar Stimmen, die eine Einschränkung des Verkaufs in den Morgenstunden fordern. Ryanair-CEO Michael O’Leary schlägt vor, Passagiere auf zwei Drinks zu beschränken – eine Idee, die nicht ohne Widerstand bleibt.
Kürzlich wurde eine Umfrage unter 14.500 Lesern der Times durchgeführt, bei der 67% für ein Verbot von Alkohol vor Morgenflügen stimmten. Interessanterweise wird die Leserschaft der Times oft als wohlhabend und rechteorientiert beschrieben. Stereotypen über störende Passagiere, wie etwa ausgehfreudige Gruppen oder Familien mit Kindern, geistern durch die Diskussion. Dabei ist das Problem nicht auf die Economy-Class beschränkt – auch im First-Class-Bereich gab es bereits Vorfälle. Und wenn wir weiter in die Geschichte blicken, stellen wir fest, dass das Trinken vor dem Fliegen eine lange Tradition hat, die bis ins Jahr 1783 zurückreicht, als Passagiere in Heißluftballons mit Champagner anstoßen.
Die Tradition des Vor-Trinkens
Ein gewisser Reiz geht von der Idee aus, sich vor einem Flug einen Drink zu gönnen. Das kennen wir alle: man sitzt am Flughafen, beobachtet die geschäftigen Menschen um sich herum, und ein kaltes Bier oder ein Glas Wein scheint genau das Richtige zu sein, um die Stimmung zu heben. Manche Airlines haben sogar spezielle Lounges, wo Reisende in entspannter Atmosphäre einen Drink genießen können – und das ist nicht nur für die Reisenden in der Business-Class reserviert. Auch die Geschichte des Alkoholkonsums bei der Royal Navy, die bis 1970 Rum an ihre Seeleute ausgab, zeigt, dass Alkohol oft ein Teil des Reisens war.
Allerdings gibt es auch berechtigte Bedenken bezüglich der Auswirkungen von Alkohol im Flugzeug. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat gezeigt, dass moderate Alkoholmengen den Sauerstoffgehalt im Blut reduzieren können. Bei Tests mit Probanden, die in einer Höhenkammer waren, sank der Sauerstoffgehalt von 88% ohne Alkohol auf 85% mit Alkohol – beides Werte, die unter den Normalwerten liegen. Das könnte vor allem für ältere und kranke Menschen problematisch werden. Die Herzfrequenz alkoholisierten Probanden stieg ebenfalls, was potenziell gefährlich sein könnte.
Die Schattenseite des Trinkens
Es ist nicht nur der Sauerstoffgehalt, der uns Sorgen machen sollte. Auch die Schlafqualität kann durch Alkoholkonsum beeinträchtigt werden. Die Studie ergab, dass die alkoholisierten Probanden weniger tiefen Schlaf hatten und die REM-Phase verkürzt war. Das alles sind Faktoren, die man berücksichtigen sollte, wenn man sich vor einem Flug mit Alkohol entspannt. Und obwohl es bereits illegal ist, betrunken zu fliegen, bleibt die Durchsetzung dieser Regel oft auf der Strecke. Airline-Mitarbeiter haben zwar die Autorität, störende Passagiere zu managen, aber die Probleme bestehen weiterhin.
Inmitten all dieser Diskussionen bleibt die Frage, ob die Tradition des Trinkens am Flughafen wirklich gefährdet ist. O’Leary’s Kritik an den Trinkgewohnheiten der Passagiere wirkt irgendwie widersprüchlich, wenn man bedenkt, dass sein Unternehmen maßgeblich dazu beigetragen hat, das Fliegen für die breite Masse zugänglich zu machen. Es ist eine interessante Debatte und ich bin sicher, sie wird uns noch eine Weile begleiten, während wir in den warmen Gewässern Thailands entspannen und uns auf unseren nächsten Flug vorbereiten.