Kaffee aus dem Gefängnis: Tups Weg zur Rehabilitation in Thailand
In Thailand macht ein ungewöhnliches Kaffeeprojekt von sich reden. In der östlichen Region des Landes, genauer gesagt in einem umgebauten roten Bus, befindet sich ein Café mit dem Namen Cook & Coff. Die Verwaltung dieses charmanten Spots liegt in den Händen der thailändischen Gefängnisbehörde, und das Besondere: Die Baristas sind allesamt Insassen. Einer von ihnen ist der 26-jährige Tup, der seine Kaffeekünste mit einem Lächeln präsentiert, während seine Kunden nichts von seiner Inhaftierung ahnen. Tatsächlich hat Tup bereits sechs Monate in einem Hochsicherheitsgefängnis hinter sich und wurde vor kurzem in eine offenere Einrichtung verlegt, wo er das Handwerk des Barista erlernte. Nun, da seine Entlassung näher rückt, träumt er davon, mit der Unterstützung seiner Mutter ein eigenes Kaffeeunternehmen zu gründen und in eine Kaffeemaschine zu investieren. Diese Initiative ist Teil eines umfassenderen Wandels in der thailändischen Strafvollzugs-Politik, der sich stärker auf Rehabilitation als auf Bestrafung konzentriert.
Die thailändische Regierung verfolgt das Ziel, die Rückfallquoten zu senken und den Stigmatisierungen entgegenzuwirken, die inhaftierte Personen häufig erfahren. Diese Veränderung wird durch die Kyoto-Modelle-Strategien inspiriert, die im Dezember 2025 von UN-Mitgliedstaaten angenommen wurden. Thitiphan Manuchantrarut, ein Direktor einer Justizvollzugsanstalt, hebt hervor, dass kriminelles Verhalten oft aus Umständen resultiert, die außerhalb des Gefängnisses liegen. Er ist überzeugt, dass die frühzeitige Aneignung von marktfähigen Fähigkeiten entscheidend dazu beitragen kann, Menschen von der Kriminalität abzuhalten. In Zusammenarbeit mit der UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) wird an Programmen gearbeitet, die die Rehabilitation unterstützen und die Bedingungen in den Gefängnissen verbessern. So wurde beispielsweise in Tups ursprünglicher Einrichtung ein Wasserreinigungssystem installiert, das den Insassen kostenloses Trinkwasser aus einem nahegelegenen See bereitstellt.
Ein neuer Ansatz im Gefängnissystem
Die Veränderungen im Gefängnissystem orientieren sich an den Nelson-Mandela-Regeln, die Standards für das Management und die Bedingungen in Gefängnissen setzen. Diese Regeln betonen Sicherheit, menschliche Würde und die Ausbildung für das Gefängnispersonal. Sukanya Thainoy, die ehemalige Direktorin einer Trainingsakademie, stellte fest, dass gut ausgebildete Beamte das Vertrauen der Insassen gewinnen und somit die Sicherheit erhöhen können. In Thailand sitzen aktuell rund 310.000 Menschen in 143 Einrichtungen ein, und die Kultur innerhalb der Gefängnisse beginnt sich spürbar zu verändern. Permpol Thiendusit, Präsident des Songkhla Central Prison, hat diese kulturellen Veränderungen beobachtet und ist optimistisch, dass sie zu einer besseren Rehabilitation der Insassen führen werden.
In Bangkok gibt es sogar einen Kaffee-Truck, der ebenfalls von der thailändischen Gefängnisbehörde betrieben wird. Von außen sieht er aus wie jeder andere Kaffee-Truck, aber ein Schild weist auf die „Department of Corrections“ hin. Tup, der Barista, arbeitet hier täglich von 8:30 bis 15:00 Uhr, bevor er ins Gefängnis zurückkehrt. Trotz seiner Umstände hat er etwa 30 Freunde im Gefängnis, mit denen er respektvolle Beziehungen pflegt. In nur 20 Tagen wird Tup entlassen und kann es kaum erwarten, seine Mutter zu sehen.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass 70 % der Gefangenen in Thailand wegen Drogenvergehen inhaftiert sind. Die Strafen können bis zu 30 Jahre betragen, was sie in der Schwere vergleichbar mit Mordfällen macht. Oft sind diese Drogengefangenen friedliche Insassen, die jedoch mit der Stigmatisierung kämpfen, die ihre Reintegration in die Gesellschaft erschwert. Das Projekt Cook & Coff könnte also nicht nur Tups Leben verändern, sondern auch als Vorbild für viele andere Gefangene dienen, die eine zweite Chance verdienen.
