Heute ist der 25.06.2026 und während ich hier in Chiang Mai sitze, denke ich über die vielseitigen kulturellen Perspektiven in Thailand nach. Insbesondere das Thema der Ehen und Beziehungen hat hier eine interessante Wendung erlebt. In Thailand wird der Ausdruck „mia noi“ häufig verwendet, um eine „Nebenfrau“ zu beschreiben. Das ist schon mal ein Hinweis darauf, dass die gesellschaftlichen Normen hier etwas anders sind als in vielen westlichen Ländern.

Buddhismus, die Religion, die von etwa 95% der thailändischen Bevölkerung praktiziert wird, betrachtet die Ehe nicht unbedingt als ein sakrales, sondern als ein weltliches Institut. Tatsächlich gibt es im Buddhismus keine feste Vorgabe, was Monogamie oder Polygamie angeht. Die Heirat wird nicht durch religiöse Vorschriften definiert. Laut der Tipitaka, dem grundlegenden buddhistischen Schriftwerk, gibt es keine klaren Regeln zur Ehe. Die ethischen Richtlinien, die im Buddhismus wichtig sind, konzentrieren sich auf das Dritte Präzept, das vor unsittlichem Verhalten in sinnlichen Angelegenheiten warnt. Dabei wird unter „sittlichem Verhalten“ auch die Idee von „agamya“ betrachtet, die Verfehlungen in Bezug auf Personen in festen Beziehungen oder solche, die nicht zustimmen können, umfasst.

Polygamie und ihre gesellschaftliche Wahrnehmung

Ein ehemaliger Oberster Patriarch des Buddhismus, Krom Phraya Vajirananavarorasa, hat sogar die Polygamie verteidigt, indem er erklärte, dass es nicht gegen das Dritte Präzept verstößt, wenn man nicht die Frau eines anderen Mannes verführt. In der Vergangenheit galt es als Verantwortung wohlhabender Männer, zusätzliche Frauen zu nehmen, um Frauen mit eingeschränkten Optionen zu unterstützen. Man könnte sagen, dass Polygamie hier eher als eine Art sozialer Dienst angesehen wurde, nicht als bloße Selbstsucht.

Bis zum 1. Oktober 1935 war Polygamie in Thailand legal. An diesem Tag trat das Zivil- und Handelsgesetz in Kraft, das die monogame Ehe vorschrieb. Vor diesem Datum erkannte das thailändische Familienrecht drei Kategorien von Ehefrauen an: die offizielle Frau (mia klang muang), die Nebenfrau (mia klang nok) und die Sklavenfrau (mia klang thasi). Alle Kinder aus diesen Ehen wurden als legitim betrachtet. Die Einführung von Monogamie wurde stark von westlichem diplomatischem Druck während der Modernisierungsperiode unter König Chulalongkorn beeinflusst.

Buddhismus: Ein Rahmen für Beziehungen

Es ist wichtig zu betonen, dass der Buddhismus nicht mehrere Partner als ideal ansieht. Im Gegenteil, er betont die Mäßigung in sinnlichen Angelegenheiten. Der respektierte Mönch Ajahn Chah hat gelehrt, dass die Suche nach mehreren Partnern ohne volle Verpflichtung als Genuss betrachtet wird und die familiären Beziehungen kompliziert. Der Fokus liegt darauf, ob die eigenen Handlungen anderen schaden, wobei Aspekte wie Zustimmung, Transparenz und Fürsorge für alle Beteiligten eine zentrale Rolle spielen.

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Die kulturellen Einstellungen in Thailand bezüglich Beziehungen sind tief verwurzelt und reflektieren eine ethische Logik, die Ehrlichkeit und Verantwortung über die Anzahl der Partner stellt. Diese Perspektiven bieten einen faszinierenden Einblick in die Komplexität thailändischer Beziehungen und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Es ist eine interessante Mischung aus Tradition und Wandel, die die thailändische Gesellschaft prägt.