Heute ist der 4.05.2026 und hier in Chiang Mai, wo die Sonne über den Bergen aufgeht, wird der Blick auf die globale Energiepolitik immer drängender. Die Situation rund um den Persischen Golf ist nicht nur für die dort lebenden Menschen besorgniserregend, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Denken wir zurück: Im Januar 1980 stellte Präsident Jimmy Carter klar, dass jede ausländische Macht, die versucht, die Ölreserven der Region zu dominieren, mit militärischer Gewalt der USA konfrontiert wird. Diese sogenannte Carter-Doktrin war damals ein Zeichen für die Bedeutung des Ölflusses aus dem Nahen Osten, der 25 % der US-Ölimporte ausmachte. Über 45 Jahre lang garantierten die USA den freien Fluss von Öl durch die Straße von Hormuz, was den Handel mit Öl aus dieser turbulenten Region als relativ sicher erscheinen ließ, trotz aller Unsicherheiten.
Doch die Zeiten haben sich gewandelt. In den letzten zwei Monaten haben sich die USA von einem stabilisierenden Faktor zu einer Quelle der Unsicherheit gewandelt. Ein Beispiel für diese Unsicherheit ist der aktuelle Krieg mit dem Iran, der nicht nur die geopolitische Landschaft, sondern auch die ölbasierte Wirtschaft destabilisieren könnte. Die globale Ölwirtschaft ist in vielerlei Hinsicht eine Schöpfung der USA, die im frühen 20. Jahrhundert mit ihren großen Unternehmen die Ölindustrien in Lateinamerika und dem Nahen Osten dominierten. Nach den Ölkrisen der 1970er Jahre haben die USA sogar die Gründung der Internationalen Energieagentur (IEA) vorangetrieben, um die Energiepolitik der großen Industrienationen zu koordinieren.
Die aktuelle Energiekrise
Die IEA hat im März 2026 den größten Notvorrat an Öl in ihrer 50-jährigen Geschichte freigegeben. IEA-Chef Fatih Birol warnt eindringlich vor einer möglichen schweren Energiekrise, die durch den Iran-Krieg ausgelöst wurde. Es ist kaum zu fassen, aber aktuell sind elf Millionen Barrel pro Tag verloren gegangen – das sind mehr als zwei große Ölschocks zusammen! Zum Vergleich: In den Ölkrisen der 1970er Jahre bewegten sich die Verluste bei etwa fünf Millionen Barrel pro Tag. Diese Blockade der Straße von Hormuz, die für den weltweiten Seehandel von entscheidender Bedeutung ist, stellt eine massive Bedrohung für die Weltwirtschaft dar.
Birol betont, dass kein Land von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben wird, wenn sie sich weiter verschärft. Und seit dem Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 wird die Straße von Hormuz faktisch von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert. Rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports passiert diese Straße, und die Blockade sowie die Angriffe auf Öl- und Gasanlagen haben die Preise für Öl und Gas in die Höhe getrieben. Die IEA hat als Reaktion auf diese Preissteigerungen 426 Millionen Barrel Öl aus ihren Notvorräten freigegeben und berät derzeit mit Regierungen in Asien und Europa über die Freigabe weiterer Reserven. Die IEA, eine Unterorganisation der OECD und gegründet als Reaktion auf die Ölkrise von 1974, hat das Ziel, die Energieversorgung der Mitgliedsländer zu sichern.
Ein Blick in die Zukunft
Wie wird sich die Situation weiterentwickeln? Die langfristigen Auswirkungen auf die ölbasierte Wirtschaft sind schwer abzuschätzen. Die USA könnten zwar relativ unbeschadet aus dieser Energiekrise hervorgehen, doch der Schatten der Unsicherheit bleibt bestehen. Die Blockade der Straße von Hormuz und die geopolitischen Spannungen könnten die Weltwirtschaft nachhaltig beeinflussen. Als jemand, der in Thailand lebt und die Auswirkungen solcher globalen Entwicklungen spürt, bleibt einem nur, die Augen offen zu halten und abzuwarten, was als Nächstes kommt. Die Geschichte zeigt, dass die Energiepolitik oft unvorhersehbare Wendungen nehmen kann – und wir alle sind Teil dieses großen Spiels.