Friedensmarsch für sauberes Wasser in Nordthailand
Am 31. Mai 2023 war es soweit: Über 600 Bewohner der Provinzen Chiang Mai und Chiang Rai begaben sich auf einen beeindruckenden, etwa 68 Kilometer langen „Friedensmarsch“. Sechs Tage lang marschierten sie, um auf die katastrophalen Zustände der Flüsse in Nordthailand aufmerksam zu machen. Ihr Ziel? Die thailändische Regierung dazu zu bewegen, endlich gegen die alarmierende Flussverschmutzung vorzugehen, die durch gefährliche Schwermetalle verursacht wird. Die Route führte von Tha Ton nach Chiang Rai, wo sie am 5. Juni, dem Weltumwelttag, ihr Ziel erreichten. Ein kraftvolles Zeichen!
Die Situation ist ernst. Seit mehr als einem Jahr meldet Thailands Umweltkontrollbehörde alarmierende Werte von Arsen, Quecksilber, Cadmium und anderen Schwermetallen in den Flüssen. Unregulierte Bergbauaktivitäten in Myanmar werden als Hauptursache für diese gefährliche Kontamination angesehen. Pianporn Deetes, Geschäftsführerin der Rivers and Rights Foundation, sprach offen darüber, dass diese Verschmutzung nicht nur die Wasserqualität beeinträchtigt, sondern auch die Fische, die Nahrungsmittel und die Gesundheit der Menschen gefährdet.
Die Auswirkungen der Kontamination
Besonders dramatisch ist die Lage am Kok-Fluss, der sich über 300 Kilometer von Tachileik im Shan-Staat Myanmars bis nach Chiang Mai erstreckt. Die Kontamination begann im letzten Jahr und hat sich mittlerweile zu einer nationalen Gesundheitskrise entwickelt. Gesundheitsbehörden fanden Arsen in den Körpern von Anwohnern, was die Dringlichkeit des Problems unterstreicht. Über 70 Millionen Menschen in Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam sind auf das Mekong-Flussbecken angewiesen. Eine Studie der National Health Commission und der Fakultät für öffentliche Gesundheit der Chiang Mai Universität ergab, dass 70 % der Befragten ihre Wasserverbrauchsgewohnheiten geändert haben. Viele geben bis zu 2.600 Baht (etwa 80 US-Dollar) monatlich für sauberes Wasser aus!
Die wirtschaftlichen Folgen sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. 63 % der Befragten berichteten von Einkommensverlusten zwischen 1.200 und 1.300 Baht (36 bis 40 US-Dollar) wegen der Verschmutzung. Unregulierter Bergbau in Myanmar, insbesondere in von ethnischen bewaffneten Gruppen kontrollierten Gebieten, trägt zur fortschreitenden Kontamination bei. Laut dem Stimson Center gibt es im Festland-Südostasien insgesamt 2.675 Minen, von denen 843 im Mekong-Flussbecken liegen.
Reaktionen und Maßnahmen
Die thailändische Regierung hat bereits eine Arbeitsgruppe zur Überwachung des Kontaminationsproblems im Kok-Fluss eingerichtet. Interessanterweise erklärte die chinesische Botschaft in Bangkok, dass die Wasserqualität des Flusses im Allgemeinen den Sicherheitsstandards entspreche. Diese Aussage stieß auf heftige Kritik unter thailändischen Internetnutzern, die den Zusammenhang zwischen Chinas Nachfrage nach Seltenen Erden und der Verschmutzung in der Region hervorhoben. Am 5. Juni wurde dann eine Erklärung veröffentlicht, in der die Bildung eines gemeinsamen Teams zwischen Myanmar und Thailand zur Bekämpfung der Wasserverschmutzung angekündigt wurde.
Die Realität der Gewässerbelastung
Die Situation ist nicht einzigartig für Nordthailand. Wie das Umweltbundesamt berichtet, sind mehr als 40 Einzelbelastungen zu unterscheiden, die in vier Gruppen eingeteilt werden können. Ganze 86 Prozent der Oberflächengewässer sind durch Abflussregulierungen und morphologische Veränderungen belastet. Dies umfasst Verbau, Begradigung und Querbauwerke. Auch diffuse Quellen, wie Nähr- und Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft oder der Luft, belasten die Gewässer. Ein ernüchternder Zustand, der nicht nur für Thailand, sondern auch für viele andere Länder in der Region gilt.
Die Herausforderungen sind enorm, und die Zeit drängt. Die Bürger haben sich erhoben und fordern Lösungen. Der „Friedensmarsch“ war nur der Anfang, aber er hat die Aufmerksamkeit auf ein drängendes Problem gelenkt, das nicht ignoriert werden kann. Die Menschen hier sind entschlossen, für ihre Zukunft und die ihrer Umwelt zu kämpfen.
