In Bangkok sprießen die chinesischen Supermärkte wie Pilze aus dem Boden. An Orten wie Rama 3, Ram Inthra, Rama 9 und Sukhumvit kann man kaum umhin, sie zu bemerken. Diese Läden, die mehr wie kleine Supermärkte wirken, sind quasi ein Schlaraffenland für alle, die die chinesische Küche und Kultur lieben. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: von Snacks über Getränke bis hin zu viralen Produkten wie eingelegten Hühnerfüßen und mala-Tofu. Der Preis? Der schwankt von ein paar Baht bis hin zu mehreren Hundert. Neuheiten und schnelle Produktaktualisierungen sind hier das A und O, und das zieht nicht nur Chinesen an, sondern auch viele thailändische Teenager und Content Creator.
Die Beliebtheit der chinesischen Küche, insbesondere der Sichuan- und Chongqing-Küche, hat den Zugang zu chinesischen Zutaten in Thailand enorm erleichtert. Man findet hier mittlerweile alles für die Zubereitung von mala-Gerichten oder Hotpot. Chinesische Supermärkte erweitern ihr Sortiment auch gezielt um Zutaten für Restaurants, die diese Küche anbieten. Die Expansion dieser Geschäfte ist kein Zufall – sie korreliert direkt mit der Rückkehr chinesischer Touristen und dem wachsenden Interesse an chinesischen Serien und Konsumgütern.
Ein neues Ökosystem in Bangkok
In der Metropole bildet sich ein regelrechtes „Ökosystem“ chinesischer Geschäfte, das neben Supermärkten auch Restaurants und Milchtee-Shops umfasst. Besonders der Stadtteil Huai Khwang-Ratchadaphisek hat sich zu einem neuen Chinatown entwickelt. Daten des Handelsministeriums belegen, dass China Thailands größter Handelspartner bleibt, mit einem Handelsvolumen von mehreren Billionen Baht bis 2025. Die thailändischen Verbraucher zeigen zunehmend Interesse an „Made in China“ Produkten. Auch wenn es Bedenken hinsichtlich der Produktstandards gibt, scheint die Akzeptanz stetig zu wachsen.
Doch trotz dieser positiven Entwicklungen gibt es auch Schattenseiten. Inspektionen haben zur Beschlagnahmung von Zehntausenden von Artikeln geführt, da einige Produkte nicht den thailändischen Etikettierungsstandards entsprechen. Das wirft Fragen zum Verbraucherschutz auf, auch wenn die Nachfrage nach chinesischen Lebensmitteln und Getränken in Thailand weiter wächst, insbesondere im Bereich mala, Hotpot und Fertiggerichte.
Der Einfluss des E-Commerce
Parallel zu diesem Trend boomt der E-Commerce in Thailand. Es wird erwartet, dass die Umsätze im Versandhandel (B2C) bis 2030 auf rund 60 Milliarden US-Dollar steigen. Thailand ist die zweitgrößte Wirtschaft in Südostasien und belegt auch im E-Commerce den zweiten Platz. Immer mehr Menschen nutzen das Internet – rund 63 Millionen der 72 Millionen Einwohner sind online und verbringen durchschnittlich acht Stunden täglich im Netz. Plattformen wie Shopee und Lazada dominieren den Markt und wickeln etwa 60 Prozent der E-Commerce-Geschäfte ab.
Die Zusammenarbeit zwischen China und Thailand im Online-Handel nimmt ebenfalls zu. Produkte, die unter 1.500 Baht kosten, benötigen keine Einfuhrlizenz oder Zollgebühren, was den Importprozess erheblich vereinfacht. Zukünftig könnte es jedoch Änderungen geben: Ab Mai 2024 soll eine Mehrwertsteuer auf chinesische Billigprodukte erhoben werden. Zudem trat im August 2023 ein neuer Erlass zur Beaufsichtigung digitaler Plattformdienste in Kraft.
In dieser rasanten Entwicklung zeigt sich, wie stark sich die Einzelhandelslandschaft in Thailand verändert – nicht nur durch die physischen Geschäfte, sondern auch durch einen florierenden Online-Markt, der immer mehr Käufer anzieht. Die chinesischen Supermärkte, die in Bangkok florieren, sind mehr als nur Geschäfte; sie sind Teil eines größeren, dynamischen Systems, das sich an die Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher anpasst.