In Chiang Rai, wo der Kok-Fluss majestätisch durch die Landschaft fließt, brodelt es hinter den Kulissen. Umweltgruppen sind in Alarmbereitschaft, denn die Stadtverwaltung plant, Abschnitte des Flusses zu baggern. Die Sorgen sind groß: Könnte das Baggern das empfindliche Ökosystem des Kok-Flusses und seiner über 30 Nebenflüsse ruinieren? Somkiat Khuanchiangsa, Präsident der River for Life Association, hat klare Bedenken. Er erklärt, dass der Kok-Fluss in zwei Teile unterteilt ist – einen in Myanmar und einen in Thailand und warnt: „Das Baggern wird die Sedimente entfernen, aber die Flussvertiefung ist nur von kurzer Dauer. Innerhalb weniger Monate wird sich der Fluss durch Sedimente wieder aufstauen.“

Ein weiterer Punkt, der für Aufregung sorgt, ist die Entsorgung der Sedimente. Diese sind möglicherweise mit Schwermetallen aus dem Goldabbau in Myanmar kontaminiert. Dr. Suebsakun Kidnukorn von der Mae Fah Luang Universität gibt zu bedenken, dass der Kok-Fluss bereits mit mehr als neun Arten von Schwermetallen belastet ist. „Unsachgemäß entsorgte Sedimente könnten die Umwelt massiv gefährden“, warnt er und fordert die Stadtverwaltung auf, das Projekt zu überdenken. Dennoch hält die Stadtverwaltung das Baggerprojekt für notwendig, um den Fluss nach der verheerenden Flut 2024 zu vertiefen und den Wasserfluss zu verbessern. Bei dieser Flut trat der Kok-Fluss über die Ufer und verwüstete den Bezirk Mae Sai mit schlammigem Wasser.

Finanzierung und Auswirkungen auf die Anwohner

Die Kosten für das Baggern werden auf etwa 223 Millionen Baht geschätzt. Die Arbeiten sollen in vier Abschnitten durchgeführt werden: der erste Abschnitt umfasst 13 Kilometer, der zweite etwa 520 Meter, der dritte 1,7 Kilometer und der vierte 2,1 Kilometer. Viele Lebensmittelgeschäfte entlang des Kok-Flusses im Bezirk Mae Sai haben bereits geschlossen, da die Touristen ausbleiben – die Kontaminationsbedenken sind einfach zu groß.

Ein Blick auf die Wasserbelastungen in Thailand zeigt, dass mehr als 40 Einzelbelastungen unterschieden werden, die in vier Gruppen eingeteilt sind. Ein Großteil der Oberflächengewässer ist durch Abflussregulierungen und morphologische Veränderungen betroffen. Dazu zählen Verbauungen und Begradigungen. Diese Veränderungen haben nicht nur Auswirkungen auf die Gewässerqualität, sondern auch auf die Tier- und Pflanzenwelt. Nahezu alle Gewässer leiden unter diffusen Quellen von Nähr- und Schadstoffen, die oft aus der Landwirtschaft stammen. In nur neun Prozent der Oberflächengewässer sind Belastungen durch Wasserentnahmen besonders relevant, die für Bewässerung oder öffentliche Wasserversorgung genutzt werden.

Die Diskussion über das Baggern des Kok-Flusses ist also Teil eines größeren Problems. Während die Stadtverwaltung die Notwendigkeit sieht, den Wasserfluss zu verbessern, sind die Bedenken der Umweltschützer nicht von der Hand zu weisen. Der Kok-Fluss ist nicht nur ein Wasserlauf, sondern auch Lebensraum für viele Arten und eine wichtige Ressource für die Anwohner. Die Zukunft dieses wichtigen Gewässers bleibt ungewiss.

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