In den letzten Wochen wurden zwei besorgniserregende Fälle von sexuellem Missbrauch in thailändischen Schulen bekannt, die nicht nur für die betroffenen Schüler, sondern auch für die gesamte Gesellschaft alarmierend sind. Am 10. Juli wurde in Kanchanaburi ein Schulleiter beschuldigt, über Jahre hinweg Schüler sexuell missbraucht zu haben. Er soll den Kindern gedroht haben, ihre Stipendien zu entziehen, wenn sie sich beschweren. Die meisten Opfer stammen aus armen und staatenlosen Verhältnissen, was die Situation noch dramatischer macht. Nur zwei Tage später kam ein weiterer Fall ans Licht, diesmal im Bang Khen Bezirk in Bangkok. Hier wird einem Lehrer vorgeworfen, fast 30 männliche Schüler belästigt zu haben. Diese Vorfälle sind Teil eines größeren Problems: einer Kultur der Nachlässigkeit und des Vertuschens innerhalb des Bildungssystems.

Die Office of the Basic Education Commission hat behauptet, solche Fälle seien selten und würden schnell durch Entlassungen behandelt. Das ist allerdings weit von der Realität entfernt. Im Bang Khen Fall hatte der Lehrer bereits zuvor ähnliche Vorwürfe an einer anderen Schule, wurde jedoch nur versetzt und konnte seine Taten fortsetzen. Ein ehemaliges Opfer aus Kanchanaburi berichtete, dass der Schulleiter bereits seit der vierten Klasse belästigt hatte, während andere Lehrer über die Vorfälle informiert waren, aber nichts unternahmen. Schulen scheinen oft ihren Ruf über das Wohlergehen der Schüler zu stellen, besonders wenn diese arm und machtlos sind. In der thailändischen Gesellschaft genießen Lehrer eine unangefochtene moralische Autorität, was es für Opfer extrem schwierig macht, Gerechtigkeit zu fordern. Kinder werden dazu erzogen, Lehrer als „zweite Eltern“ zu betrachten, was die Berichterstattung über Missbrauch zusätzlich erschwert.

Die Rolle der Gesellschaft

Die Gesellschaft muss dringend über die Lehren zur Autorität nachdenken. Es ist entscheidend, dass Kindern von klein auf beigebracht wird, dass ihre Körper ihnen gehören und ihre Grenzen respektiert werden müssen. In städtischen Eliteschulen werden Schüler sogar mit der Veröffentlichung von Missbrauchsvideos bedroht. Die Reaktion des Bildungsministeriums auf diese Vorfälle wird als unzureichend kritisiert. Es wird gefordert, dass sexuelle Übergriffe strafrechtlich verfolgt werden. In einem Fall wurde eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet, bei der Videos gefunden wurden, die zur Einschüchterung von Opfern verwendet wurden.

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass der Umgang mit Missbrauch auch in anderen Ländern problematisch ist. In Deutschland beispielsweise sind in fünf Bundesländern Schutzkonzepte zur Verhinderung von Missbrauch an Schulen nicht verpflichtend. Kerstin Claus, die unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, hat dies in einem Interview geäußert und kritisiert die fehlende Handlungskompetenz und Qualitätssicherung. Ab Herbst 2024 ist eine Befragung von rund 10.000 Schülern geplant, um die Zahl der Missbrauchsfälle bei Kindern und Jugendlichen näher zu bestimmen. Erste Ergebnisse sollen bis Ende 2027 vorliegen.

Prävention und Unterstützungssysteme

Es ist interessant zu bemerken, dass Pädophilie häufig mit sexuellem Missbrauch gleichgesetzt wird, obwohl nur etwa 50% der Täter tatsächlich pädophil sind. Missbrauch geschieht oft in den Familien, in denen die Kinder leben, und nicht nur durch externe Täter. Daher sollte präventive Erziehung in Familien auf Liebe, Respekt und Förderung der Selbstbestimmung der Kinder basieren. Das Bundesfamilienministerium in Deutschland bietet Informationen über sexuellen Missbrauch in einer Broschüre mit dem Titel „Mutig fragen – besonnen handeln“ an.

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Beratungsstellen, Jugendämter, Polizei und Kinderschutzambulanz sind wichtige Anlaufstellen, wenn der Verdacht auf sexuellen Missbrauch besteht. Zudem gibt es bundesweite Hilfetelefone, wie das des Vereins N.I.N.A. in Kiel, die Unterstützung für Betroffene anbieten. Präventionsnetzwerke wie „Kein Täter werden“ bieten therapeutische Hilfe für Menschen mit pädophilen Neigungen an. Auch in Thailand ist es notwendig, dass die Schulen ihre Strukturen überdenken und Schutzkonzepte entwickeln. Die Risikoanalyse, die dabei helfen kann, betrachtet unter anderem, welche Bedingungen vor Ort Täter und Täterinnen ausnutzen könnten und ob betroffene Kinder Ansprechpersonen finden, die ihnen helfen können.

Die Ergebnisse solcher Analysen könnten wichtige konzeptionelle und strukturelle Verbesserungen im Sinne des Kinderschutzes aufzeigen. Es bleibt zu hoffen, dass sowohl in Thailand als auch international die Sicherheit der Kinder über den Ruf von Institutionen gestellt wird. Die wiederholten Versprechen von Veränderungen müssen endlich in die Tat umgesetzt werden, damit Kinder in einer sicheren und geschützten Umgebung lernen und aufwachsen können.