Heute ist der 4.06.2026, und in Bangkok gibt es wieder einmal Neuigkeiten, die nicht nur die heimischen Exporteure betreffen. Die USA planen, neue Zölle einzuführen, die die thailändischen Exporte in der zweiten Jahreshälfte 2026 stark gefährden könnten. Laut Prognosen von Nuttaporn Triratanasirikul vom Kasikorn Research Center könnte das Exportwachstum im Vergleich zum Vorjahr stagnieren, wenn die Zölle unter Section 301 des US-Handelsgesetzes im nächsten Monat in Kraft treten. Diese Regelung erlaubt es dem US-Handelsbeauftragten (USTR), Vergeltungszölle oder Handelsbeschränkungen gegen Länder mit „unfairen“ Handelspraktiken zu verhängen. Es geht also um mehr als nur Zahlen – hier stehen Existenzen auf dem Spiel.
Die Praktiken, die solche Zölle rechtfertigen können, sind vielfältig. Übermäßige Produktionskapazitäten, Verstöße gegen geistiges Eigentum, digitale Dienstleistungssteuern und sogar Zwangs- oder Kinderarbeit könnten dazu führen, dass thailändische Produkte ins Visier geraten. Besonders alarmierend ist, dass Produkte aus Ländern, die Zwangsarbeit verwenden, ebenfalls betroffen sein könnten, selbst wenn Thailand selbst nicht direkt betroffen ist. Der USTR hat unzureichende Maßnahmen zur Verhinderung von Zwangsarbeit als Rechtfertigung für die neuen Zölle genannt. Das lässt aufhorchen!
Die betroffenen Sektoren
Die Auswirkungen könnten weitreichend sein. Thailand wäre, wie viele andere Länder, unter den 46 Nationen, die einem 12,5%-Zoll unter Section 301 unterliegen. Diese Liste umfasst auch große Wirtschaftsnationen wie China, Brasilien und Südkorea. Bisher unterliegen Importe aus Thailand einem 10%-Zoll unter Section 122, doch diese neuen Zölle könnten die alten ersetzen. Besondere Bedenken äußert die Federation of Thai Industries (FTI) über die möglichen Auswirkungen auf die Lebensmittelindustrie. Und auch die Elektronikindustrie ist nicht ganz unbesorgt, obwohl Koraphat Vorachet von Krungsri Securities optimistisch ist und glaubt, dass die Auswirkungen gering sein werden, da schnell wachsende Elektronikprodukte von Zöllen ausgenommen sind.
Das Schicksal von Produkten wie Reis, Textilien, Garn, persönlicher Schutzausrüstung und Solarzellen steht auf der Kippe. Ein weiteres Problem ist, dass Thailand noch keine endgültige Vereinbarung über Handel und Zölle mit den USA getroffen hat, während Länder wie Malaysia und Indonesien dies bereits geschafft haben. Ein echtes Dilemma für die thailändischen Exporteure, die nun vor der Frage stehen: Wie reagieren wir auf diese drohenden Zölle?
Hintergründe zu den Zöllen
Es ist kein Geheimnis, dass die USA unter der aktuellen Administration die Handelsbeziehungen neu bewerten. Am 12. März 2026 hat der USTR 60 Untersuchungen nach Section 301(b) des Trade Act von 1974 eingeleitet. Ziel dieser Untersuchungen ist die Überprüfung unzureichender Maßnahmen gegen die Einfuhr von mit Zwangsarbeit hergestellten Waren. Diese Untersuchungen betreffen 60 Länder, darunter auch die EU, China und Indien. Am 2. Juni 2026 wurden Vorschläge für Maßnahmen präsentiert, die Zusatzzölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Produkte aus den betroffenen Ländern vorsehen, mit Ausnahmen für bestimmte Güter wie Textilien. Die Frist für Stellungnahmen endete am 6. Juli 2026, und öffentliche Anhörungen sind für den 7. Juli 2026 angesetzt.
Die Unsicherheit über die zukünftigen Handelsbedingungen ist gewaltig. Wenn man bedenkt, dass auch andere Länder wie Brasilien und Vietnam unter die Lupe genommen werden, ist klar, dass wir uns in einem komplexen geopolitischen Gefüge bewegen. Die Frage bleibt, welche Gegenmaßnahmen die betroffenen Länder ergreifen werden – ein Szenario, das uns an die Zölle aus der Trump-Ära erinnert.
Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten. Die thailändischen Exporteure stehen unter Druck, und die Zeit drängt. Die Entwicklungen in den nächsten Wochen werden entscheidend sein, um die Auswirkungen dieser neuen Zölle auf die thailändische Wirtschaft zu verstehen. Was wir jetzt brauchen, ist eine klare Strategie, um diese Herausforderungen zu meistern. Es bleibt spannend!