Ladyboys of Bangkok: Ein Fest der Vielfalt und Unterhaltung in London
Heute ist der 6.07.2026 und ich sitze hier in Bangkok, während die Sonne langsam untergeht und die Luft sich mit dem Geruch von gegrilltem Streetfood füllt. Es gibt kaum etwas Aufregenderes, als die Nachricht zu hören, dass die Ladyboys of Bangkok wieder mit ihrer gewohnt spektakulären Show auf Tour sind. Vor 28 Jahren gaben sie ihr Debüt in London im Queen’s Theatre, jetzt im Sondheim Theatre, und setzen ihre Tradition fort, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Aktuell sind sie in London, genauer gesagt im Sabai Pavilion, einem riesigen pinken Zelt auf Shepherd’s Bush Green, und zeigen dort ihr Programm, das als offizielles London-Debüt gefeiert wird. Die Vorstellung, die mittlerweile in ihr 26. Jahr der UK-Tour geht, ist ein zweistündiges kathoey Cabaret. Und das Thema in diesem Jahr? „Full Moon“ – eine extravagante Strandparty, die von einem Magier mit einer Fluchtillusion aufgemischt wird.
Die Erzählweise der Show ist eher leger gehalten, was ganz gut zu dem bunten Treiben passt. Immer wieder taucht eine Figur auf, die in einem Sack gefangen ist – ein Running Gag, der für Lacher sorgt. Musikalisch wird es ebenfalls bunt: Disco-Nummern, selbstbejahende Routinen und sogar eine Boylesque-Performance sind Teil des Programms. Gegründet wurde die Truppe von Phillip Gandey, der das Showkonzept entwickelte und die Show 1998 beim Edinburgh Festival als Seitenakt ins Leben rief. Leider ist Gandey 2023 verstorben, aber seine Tochter Hayley führt nun als künstlerische Direktorin das Erbe weiter. Es ist beeindruckend, wie die Ladyboys of Bangkok mit ihrem Mix aus Glamour und Unterhaltung eine Nische im britischen Entertainment geschaffen haben.
Tradition und Wandel
Fast 25 Jahre sind sie nun schon in Großbritannien aktiv und haben sich als fester Bestandteil des Edinburgh Festival Fringe etabliert. Das Festival, das jedes Jahr im August stattfindet, ist das größte Performance-Event der Welt mit über 3.000 Shows. Während der Ladyboys sich auf Entertainment und thematische Aufführungen konzentrieren, gibt es auch andere Darbietungen, die sich mit queeren Themen auseinandersetzen. Zum Beispiel wird im Rahmen des Festivals in diesem Jahr auch eine Vielzahl queerer Künstlerinnen und Künstler gefeiert, die in ihren Shows wichtige gesellschaftliche Themen ansprechen. Es ist eine spannende Zeit für die LGBTQ+-Gemeinschaft – und die Ladyboys sind ein Teil davon!
Obwohl die Show ursprünglich aus einem Zirkus-Hintergrund stammt, sind die Darbietungen weniger auf klassische Zirkuskünste fokussiert. Vielmehr geht es um die Inszenierung von Unterhaltung und das Feiern der Vielfalt. Interessanterweise stehen die Ladyboys und Giffords Circus derzeit an einem Wendepunkt. Giffords Circus, der 2000 gegründet wurde und traditionelle Zirkusakte bietet, hat kürzlich wieder zur Familienführung zurückgefunden, während die Ladyboys weiterhin ihren eigenen Weg gehen. Ihre Show wird noch bis zum 12. Juli in London zu sehen sein, bevor sie sich auf die nächste Tour begibt.
Es bleibt spannend zu beobachten, wie die Ladyboys of Bangkok ihre Traditionen bewahren und gleichzeitig neue Wege beschreiten. Ihre Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden und ihr Publikum zu faszinieren, zeigt, dass sie mehr sind als nur ein weiteres Bühnenprogramm. Sie sind ein lebendiges Beispiel für die Kraft der Inklusion und das Feiern von Individualität – und das ist einfach großartig.
