Die Weltmeisterschaft 2026 steht vor der Tür, und für die haitianische Community in den USA ist dies ein ganz besonderer Moment. Endlich wird Haiti nach 1974 wieder an einem Weltcup teilnehmen! Aber während viele jubeln und stolz auf diese Rückkehr sind, schwingt auch ein Gefühl der Angst mit, besonders bei den Einwanderern. Emile, ein Haitianer, der in Ohio lebt, hat seine Bedenken klar geäußert. Er fürchtet sich davor, die Spiele live zu besuchen, und das nicht ohne Grund. Die amerikanischen Einwanderungsgesetze unter der Trump-Administration, die in den letzten Jahren für viel Aufregung gesorgt haben, belasten die Gemüter. Sein Anwalt riet ihm sogar, das Fliegen zu vermeiden, um einer möglichen Festnahme durch ICE (Immigration and Customs Enforcement) zu entgehen.
Diese Sorgen sind nicht alleine Emiles. Monica Sarmiento von der Virginia Coalition for Immigrant Rights bestätigt, dass viele Einwanderer sich unsicher fühlen und gut überlegen, wie sie sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft verhalten. Über 70% der von ICE Festgenommenen haben keine Vorstrafen und viele leben seit Jahrzehnten in den USA. Die haitianische Community, die rund 850.000 Mitglieder zählt, ist vor allem in Miami und New York vertreten und sieht sich durch die Politik der Trump-Administration erheblichen Bedrohungen ausgesetzt. Diese will unter anderem den vorübergehenden Schutzstatus für viele Einwanderer, einschließlich Haitians, beenden. Human Rights Watch berichtete zudem über Vorfälle, bei denen Asylsuchende bei öffentlichen Veranstaltungen von ICE festgenommen wurden, was die Ängste vor einer gezielten Verfolgung ausländischer Touristen während der WM weiter verstärkt.
Ein besorgniserregendes Klima
Mit 78 der insgesamt 104 Spiele, die in den USA stattfinden werden, ist die Besorgnis innerhalb der hispanischen Community enorm. Diese macht etwa 20% der amerikanischen Bevölkerung aus und hat große Bedenken, was die Aktivitäten von ICE während des Turniers angeht. Mehr als 120 Bürgerrechtsorganisationen haben sogar eine Reiseempfehlung herausgegeben, die vor möglichen Menschenrechtsverletzungen für Besucher warnt. Die Risiken reichen von der Verweigerung des Einlasses über Festnahmen und Rassismus bis hin zu Misshandlungen in der Gewahrsam von ICE.
ICE hat zudem eine Geschichte der Zusammenarbeit mit Sicherheitskräften bei großen Sportereignissen. Ein Sprecher des DHS (Department of Homeland Security) versicherte jedoch, dass legale internationale Besucher während der Weltmeisterschaft keine Sorgen bezüglich der Einwanderungsdurchsetzung haben sollten. FIFA hat ebenfalls ihre Verpflichtung zur Achtung der international anerkannten Menschenrechte betont. Aber das Vertrauen in diese Aussagen hält sich in Grenzen.
Die Expansion von ICE und die Reaktionen der Gemeinschaft
Die Trump-Administration hat die Zahl der Migrant*innenhaftanstalten in den USA massiv erhöht. Ziel ist es, die größte Zahl von Einwanderern in der modernen US-Geschichte festzuhalten und abzuschieben. Mit neuen Mitteln in Höhe von 85 Milliarden US-Dollar, von denen etwa 45 Milliarden für die Erweiterung der Einwanderungshaft vorgesehen sind, wird ICE immer mächtiger. Über 220 Haftstätten gibt es mittlerweile, und der tägliche Durchschnitt der Inhaftierten erreicht nahezu 70.000. Dies erinnert stark an die Masseninhaftierungen während des Zweiten Weltkriegs.
In verschiedenen Bundesstaaten regt sich jedoch Widerstand gegen diese Entwicklungen. Viele lokale Führer fordern mehr Transparenz und Aufsicht über ICE-Operationen. In New Hampshire wurde beispielsweise der Bau einer geplanten ICE-Haftanstalt durch öffentlichen Druck gestoppt. Der Widerstand ist in Texas, Oklahoma City und anderen Regionen ebenfalls spürbar. Die Berichte über Überfüllung und unzureichende Versorgung in den Haftanstalten nehmen zu, und seit Oktober 2025 sind 26 Personen in ICE-Gewahrsam gestorben. Dies wirft ein dunkles Licht auf die Praktiken dieser Behörde.
Die Weltmeisterschaft könnte also nicht nur ein Fest des Fußballs werden, sondern auch ein Brennpunkt für soziale und politische Spannungen. Die Freude über Haitis Rückkehr auf die große Bühne wird von den Sorgen um die Sicherheit und die Rechte der Einwanderer überschattet. Wenn die Spiele im Juni 2026 beginnen, könnten die Auswirkungen der aktuellen Migrationspolitik auf die Stimmung und die Teilnahme der Fans einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Diskussion über Menschenrechte und Einwanderung wird während der WM sicherlich in den Vordergrund rücken und die Zuschauer weltweit zum Nachdenken anregen.