Die Anziehungskraft Südostasiens ist unbestreitbar. Mass media malt oft ein Bild von dieser Region als aufregendem, kulturell reichen Ort. Aber was zieht Menschen wirklich hierher? Eine aktuelle Umfrage des ISEAS – Yusof Ishak Institute, die im Rahmen der State of Southeast Asia 2026 durchgeführt wurde, bietet spannende Einblicke in die Umzugs- und Reisepräferenzen der Befragten. Dabei wird deutlich, dass viele Menschen ASEAN-Staaten für ihren Wohnort bevorzugen. Besonders Malaysia, Brunei und Singapore stehen hoch im Kurs. Unter den ASEAN-Ländern ist Malaysia mit 32% an der Spitze der Relokationswünsche, gefolgt von Brunei mit 28,4% und Singapore mit 23,2%. Vietnam zieht 17,9% der Befragten an.
Eine interessante Facette dieser Umfrage ist die Wahl Japans als bevorzugtes Ziel für Umzug und Arbeit. Indonesier (25%), Filipinos (23,7%), Thais (22,8%) und Myanmerer (17,5%) sehen Japan als ihre erste Wahl. Insgesamt sind die ASEAN-Staaten die beliebtesten Umzugsziele (19%), dicht gefolgt von Japan (16,8%). Besonders auffällig ist, dass Singapore unter den Befragten, die sich für einen ASEAN-Staat entschieden haben, die höchste Beliebtheit genießt (39,6%), während Thailand und Malaysia mit 16,2% und 9,3% folgen. Die Attraktivität Singapurs wird unter anderem durch sein geschäftsfreundliches Umfeld, hohe Bildungs- und Gesundheitsstandards sowie politische Stabilität erklärt. (Mehr dazu findest du in der Umfrage).
Die Dynamik von Soft Power in der Region
Ein weiteres zentrales Thema dieser Umfrage ist das Konzept der „Soft Power“. Ursprünglich von Joseph Nye definiert, beschreibt Soft Power die Fähigkeit eines Landes, durch Anziehung statt Zwang Einfluss zu gewinnen. Dabei spielen Kultur, politische Werte und Außenpolitik eine entscheidende Rolle. Diese Aspekte beeinflussen die Attraktivität eines Landes für Investitionen, Handel, Arbeit, Studium und Tourismus erheblich. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass viele Menschen, die einen Umzug in Betracht ziehen, einen ASEAN-Staat bevorzugen. Dabei sind die Umzugs- und Reisepräferenzen nicht nur unterschiedlich, sie spiegeln auch die Dynamiken der Soft Power wider. So zeigt sich, dass Thailand innerhalb der ASEAN die höchste Attraktivität für Reisen hat, während 85,7% der Thais lieber im eigenen Land reisen. (Weitere Details hierzu findest du in diesem Artikel).
Die regionalen Unterschiede in den Vorlieben für das Leben und Besuchen deuten darauf hin, dass Soft Power in verschiedenen Aspekten wirkt. In der Tat könnten die unterschiedlichen Ansprüche und Präferenzen auch eine Antwort auf die sich verändernde demografische und wirtschaftliche Landschaft in Südostasien sein. Eine stärkere Integration innerhalb der ASEAN könnte helfen, die Komplementaritäten zwischen den Mitgliedsstaaten zu fördern und somit die Attraktivität der Region insgesamt zu steigern.
Kulturelle Vielfalt und globale Einflüsse
Südostasien ist ein wahres kulturelles und geopolitisches Mosaik, geprägt von vielfältigen Traditionen und Bestrebungen. Länder wie Thailand setzen auf Soft Diplomacy, um ihren globalen Einfluss zu nutzen – ganz ohne militärische Stärke. Die thailändische Regierung hat beispielsweise die Kampagne „Thai Kitchen to the World“ ins Leben gerufen, um thailändische Restaurants im Ausland zu fördern. Das berühmte Pad Thai hat sich dabei als kulinarischer Botschafter etabliert und zieht immer mehr internationale Besucher an. Thailands Gastfreundschaft und positive internationale Wahrnehmung werden in zahlreichen Tourismus-Kampagnen hervorgehoben. (Erfahre mehr über diese Strategien in diesem Bericht).
Die dynamischen Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Ländern und Kulturen in Südostasien machen die Region besonders spannend. Der Einfluss kultureller Vielfalt, wie er in Indonesien und Vietnam zu sehen ist, zeigt, dass Soft Diplomacy auch durch Kunst, Kulinarik und Traditionen vermittelt werden kann. Diese subtilen Botschaften erreichen ein breites Publikum und stärken die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen zwischen den Nationen. In einem Zeitalter, in dem weiche Macht eine immer größere Rolle spielt, könnte der Einfluss Südostasiens auf globaler Ebene weiter wachsen, ohne dass dabei aggressive Mittel zum Einsatz kommen müssen.