In den letzten Jahren hat sich Thailand zu einem unwillkommenen Knotenpunkt im internationalen Wildtierhandel entwickelt. Der Suvarnabhumi Flughafen in Bangkok, ein geschäftiger Verkehrsknotenpunkt, zieht nicht nur Touristen an, sondern auch skrupellose Schmuggler. Ein aktueller Vorfall zeigt, wie ernst die Lage ist: Am Mittwoch wurde eine 19-jährige Passagierin festgenommen, die versuchte, Sicherheitskontrollen zu umgehen, indem sie Dutzende von handtellergroßen Schildkröten an ihrem Körper befestigt hatte. Solche Vorfälle sind leider keine Seltenheit. Einen Tag zuvor wurden Hunderte lebende Schildkröten, leuchtend blau-grüne Leguane und sogar ein Süßwasserkrokodil bei der Ankunft aus der indischen Stadt Bengaluru beschlagnahmt. Die Situation ist alarmierend, insbesondere angesichts der wachsenden Nachfrage nach exotischen Haustieren in Ländern wie Indien, wo niedliche Tiere regelmäßig auf Plattformen wie Instagram und Facebook zur Schau gestellt werden. Die Cuteness dieser Tiere hat sich zu einer Art Ware in der asiatischen Social-Media-Welt entwickelt, was die Nachfrage weiter antreibt. Diese Informationen stammen aus einem Artikel, der die Verbindungen zwischen dem Wildtierhandel und sozialen Medien beleuchtet (SCMP).

Die Situation ist nicht nur ein lokales Problem. Der aktuelle World Wildlife Crime Report der UNODC zeigt, dass der Wildtierhandel weltweit trotz intensiver Maßnahmen zur Bekämpfung weiterhin floriert. Zwischen 2015 und 2021 wurden illegale Handelsaktivitäten in 162 Ländern festgestellt, die etwa 4.000 Pflanzen- und Tierarten betreffen. Dies hat nicht nur fatale Auswirkungen auf die bedrohten Arten selbst, sondern kann auch erhebliche ökologische Konsequenzen nach sich ziehen. Denn der Wildtierhandel stört die Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Arten, was letztlich die Resilienz der Ökosysteme gefährdet. Korruption und Geldwäsche sind weitere Schattenseiten dieses Handels, die gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit untergraben (UNODC).

Die Rolle der sozialen Medien

Ein besonders besorgniserregender Aspekt des Wildtierhandels ist die Rolle der sozialen Medien. Der IFAW warnt, dass virale Inhalte, die Wildtiere als exotische Haustiere zeigen, deren Haltung normalisieren und schädliche Auswirkungen auf die Tierwelt und die Ökosysteme haben. Jeder Klick, jedes „Like“ und das Teilen solcher Inhalte schaffen eine Nachfrage, die Wildtierkriminelle ausnutzen. Andreas Dinkelmeyer, der Kampagnenleiter des IFAW, hebt hervor, dass die digitale Aufmerksamkeit für diese Tiere oft in realem Tierleid resultiert. Eine Umfrage ergab, dass 70 % der Befragten glauben, Wildtiere sollten keine Haustiere sein, und 82 % sehen den Handel mit Wildtieren als ernstes globales Problem. Dennoch ist das Bewusstsein über die Dimensionen des Wildtierhandels in Europa noch gering (IFAW).

Inmitten dieser alarmierenden Entwicklungen ist es wichtig, sowohl als Individuum als auch als Gesellschaft zu handeln. Der IFAW fordert strengere Regulierung des Wildtierhandels und appelliert an die Öffentlichkeit, den illegalen Handel durch einen bewussten Umgang mit Online-Inhalten zu bekämpfen. Es bleibt zu hoffen, dass mehr Menschen sich darüber bewusst werden, dass jeder Klick auf ein niedliches Tierfoto auf sozialen Medien auch negative Auswirkungen haben kann. Der Wildtierhandel ist nicht nur ein Problem der Natur, sondern betrifft letztlich auch uns alle.