Am frühen Morgen des 11. Mai 2026, während ich am Suvarnabhumi Airport in Bangkok auf meinen Flug warte, wird mir wieder bewusst, wie dramatisch die Situation für die Gibbons in unserer Region ist. Die Save the Gibbons Alliance beobachtet seit über einem Jahr den illegalen Gibbonhandel, und die Zahlen sind alarmierend. Jeden Monat gibt es mindestens einen dokumentierten Schmuggelvorfall, oft an Flughäfen in Südostasien oder Indien. Diese Vorfälle betreffen häufig Gibbonbabys oder -jugendliche, die unter katastrophalen Bedingungen gefangen gehalten werden.
Ein besonders bedrückendes Beispiel ist die Beobachtung, dass bis zu vier solcher Vorfälle in einem einzigen Monat dokumentiert wurden. Die Beschlagnahmungen geschehen meist am Kuala Lumpur International Airport in Malaysia und hier in Bangkok. Laut TRAFFIC wurden im Jahr 2025 93 Gibbons in Süd- und Südostasien beschlagnahmt – das ist die höchste Zahl in den letzten zehn Jahren. Das entspricht einem Drittel der Gibbons, die in den Jahren 2016 bis 2024 beschlagnahmt wurden. Besonders Indonesien sticht hervor, wenn es um die Anzahl der Gibbon-Beschlagnahmungen geht, während Indien und Malaysia zunehmend in den internationalen Gibbon-Schmuggel verwickelt sind. Es ist einfach tragisch, dass diese Tiere, bekannt für ihre melodischen Rufe, in solch einem Ausmaß leiden müssen.
Die Komplexität des Schmuggels
Die Situation wird von Dr. Susan Cheyne von der Oxford Brookes University als komplex und gut organisiert beschrieben. Der Schmuggelprozess ist nicht nur ein einfaches Verbrechen; er erfordert Zeit, Mühe und ein Netzwerk von Verbindungen. Trafficker nutzen mittlerweile auch Online-Marktplätze und soziale Medien, um ihre illegalen Aktivitäten zu verschleiern. Komischerweise verwenden sie sogar diskrete Kommunikationsmittel wie Google Pay. Es ist erschreckend, wie die Nachfrage nach Gibbons in Indien, sei es durch Haustiermode oder Zootransfers, die illegale Jagd und den Handel anheizt.
Ein besonders beunruhigendes Detail ist, dass Gibbon-Mütter oft getötet werden, um an ihre Babys zu gelangen. Gibbons bringen nur alle zwei bis drei Jahre ein Baby zur Welt, was die Überlebenschancen der Art weiter verringert. Die hohe Sterblichkeit während des Schmuggels ist eine traurige Realität, und es werden oft mehrere Gibbonbabys gefangen, um die Verluste auszugleichen. Die Schmuggelrouten sind nicht nur auf den Luftverkehr beschränkt; auch Land- und Seewege spielen eine Rolle, wobei die Malakka-Straße als neuer Hotspot für den Wildtierhandel identifiziert wurde.
Gemeinsam gegen den illegalen Handel
Um dieser verheerenden Situation entgegenzutreten, hat die Species Global Alliance (SGA) das Ziel, Wissenschaftler, Naturschützer, Journalisten und Regierungsbehörden zusammenzubringen, um den Gibbon-Handel zu bekämpfen. Dabei wird ein besonderer Fokus auf alle Aspekte der Gibbon-Trafficking-Kette gelegt, inklusive der Ursachen für die Nachfrage und Wiederherstellungspläne. Es ist bemerkenswert, dass die SGA sich für stärkere Politiken einsetzt, die Gibbons und Siamangs als Priorität im Naturschutz anerkennen und Handelsfragen mit Themen wie Biodiversität und sozialer Gerechtigkeit verknüpfen.
Die Arbeit der SGA ist von entscheidender Bedeutung, um das öffentliche Bewusstsein über die Bedrohung durch den illegalen Handel zu schärfen und evidenzbasierte Erzählungen zur Primatenkonservierung zu fördern. Die Barrieren zwischen den Disziplinen abzubauen und verschiedene Ansätze zu vereinen, könnte tatsächlich dazu beitragen, den Schutz von wildlebenden und beschlagnahmten Gibbons zu verbessern. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen auch in den politischen Raum vordringen und zu echten Veränderungen führen.
Für die Gibbons ist die Zeit jetzt entscheidend. Es muss mehr getan werden, um die Nachfrage zu reduzieren und die bestehenden Gesetze durchzusetzen. Die indische Zivilluftfahrtbehörde hat schon Schritte unternommen, indem sie Fluggesellschaften für die Rückführung beschlagnahmter Tiere verantwortlich macht. Doch was nach der Rückführung mit den Gibbons geschieht und ob sie überleben, bleibt ungewiss. Wie Dr. Cheyne betont, ist es unabdingbar, die Nachfrage nach Gibbons zu bekämpfen, um den Handel zu stoppen und diesen wunderbaren Tieren eine Chance auf ein freies Leben zu geben. Quelle und Quelle.